Belfort

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"Die Festung Belfort liegt am Südrand der Vogesen, die auf der Nordfront ziemlich dicht herantreten und ihre Ausläufer auch auf die Westfront erstrecken. Auf diesen beiden Fronten finden sich hohe, steile, durch tiefe Täler getrennte Kegel, die auf den Gipfeln meist Wald tragen. Im Süden gegen Montbéliard hin hat das Gelände sanftere und zusammenhängendere Formen. Nach Osten zu fällt es in flachen Wellen gegen die deutsche Grenze von der Festung allmählich ab. Viele Wälder rings um Belfort erschweren die Übersicht. Mehrere in nord-südlicher Richtung streichende Täler bilden Abschnitte.

Die Befestigungen bestehen aus einem äußeren Fortgürtel, dem auf der Nordfront eine vorgeschobene Stellung vorgelagert ist, einer zweiten Verteidigungsstellung auf der Ost- und Südostfront, einer inneren (3.) Fortlinie im Osten und der Stadtbefestigung. Beherrschende Lage haben die Werke von Roppe, des Mont Salbert und Mont Vaudois.

Die Festung hat 39 km Umfang.

Die vorgeschobene Stellung vor der Front Roppe-Salbert besteht aus 1 Zwischenwerk, 5 Infanteriewerken, 1 Infanterielinie und vermutlich einigen Batterien. Die Anlagen haben feldmäßigen Charakter; Betonhohlräume hat nur das Zwischenwerk Monceau.

Die Hauptverteidigungslinie ist dicht ausgebaut, besonders auf der Nord- und Ostfront, und besteht aus 6 Forts, 5 Zwischenwerken, 10 Infanteriewerken, einigen Infanteriestellungen und zahlreichen Anschluß- und Zwischenbatterien. Kennzeichnend für den Ausbau der Fortzwischenräume ist die häufige Anwendung niedriger feldmäßiger Formen. Die Position de Roppe kann mit den benachbarten Batterien und Infanteriestellungen als eine Verteidigungsgruppe für sich betrachtet werden, die die ganze Ostfront und einen Teil der Nordfront beherrscht. Roppe ist als starkes modernes Werk vollkommen umgebaut; die Stellung in seiner Nähe wird weiter verstärkt. Fort Bessoncourt, ebenfalls modern umgebaut, hat ziemlich niedrigen Aufzug und äußere Grabenwehren. Fortézelois ist noch im Umbau, der im Laufe des Jahres 1913 beendet werden dürfte. Der Umbau des Fort du Bois d’Oye hat begonnen, wird aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Mit dem Umbau des Fort Mont Vaudois ist zu rechnen; Arbeiten sind hierfür ausgeschrieben. Fort du Salbert ist alter Bauart mit hohem Aufzug, inneren Grabenwehren und wahrscheinlich nur wenigen bombensicheren Räumen.

Von den bombensicheren Zwischenwerken hatte bis jetzt nur Ouvrage de la Côte d’Essert (W) tiefen Graben und äußere Grabenwehren. Die im Neu- bzw. Umbau befindlichen Werke Méroux (südwestlich Méroux) und Haut-Bois (SW) werden voraussichtlich gleichfalls mit solchen ausgestattet werden. Hohlräume in Eisenbeton finden sich wahrscheinlich in den beiden letztgenannten und in Fougerais (S).

Die Infanteriestellung folgt im flachen Gelände im allgemeinen der Linie der Forts. Im Norden und Nordwesten ist sie an den vorderen Rand der Höhenstellungen von Roppe und Mont du Salbert vorgeschoben. Zahlreiche ouvrages d’infanterie, die durchweg den Charakter verstärkter Schützengräben mit splittersicheren Unterständen haben, dienen ihr als Stützpunkte. Ausgebaute Infanteriestellungen sind bekannt geworden: an den Hängen der Hochfläche von Roppe, am Ouvrage des Fougerais, am Fort Bois d’Oye und am Rande der Hochfläche des Salbert. Zum Teil sind sie mit Betonbrustwehren und stählernen Kopfschilden ausgestattet; die der Nordost- und Südostfront enthalten einige bombensichere Unterkunftsräume.

Nur im Fort Roppe ist ein einzelner Fernkampfpanzerturm (lg. 155 mm Kanone) aufgestellt. Eine Panzerbatterie zu 2 Geschützen, eine der wenigen, die in Frankreich überhaupt vorkommen, ist dicht östlich des Forts im Bau. Nahkampfpanzertürme für je 2 – 75 mm Schnellfeuerkanonen oder Maschinengewehre sowie Artillerie-Beobachtungspanzer stehen in den Forts Roppe, Bessoncourt und Vézelois, in einem Infanteriewerk dicht östlich Fort Roppe, in den Ouvrages Fougerais und Haut Bois; sie sind in allen Um- und Neubauten zu erwarten. Die Nahkampfpanzer dienen mehrfach auch zur frontalen Grabenbestreichung. Betonierte Zwischenraumstreichen finden sich in den Forts Roppe und Vézelois und in der Nähe des Ouvrage Fougerais.

Auf der Ost- und Südostfront bilden eine 2 Linie die Verteidigungsanlagen des Bosmont, das im Umbau begriffene Ouvrage Chèvremont (1700 m westlich Chèvremont) und Gruppen von betonierten und mit stählernem Kopfschutz versehene Infanterielinien, die sich nördlich letzteren Werkes bis zur Chaussee Belfort-Roppe hinziehen. Ouvrage Chèvremont hat Nahkampfpanzer.

Die nur auf der Ostfront vorhandene innere dritte Fortlinie besteht aus dem camp retranché mit den Forts Justice und Miotte sowie aus den Forts Hautes und Basses Perches; es sind alte Anlagen mit wenigen bombensicheren Munitionsräumen.

Die Stadtumwallung mit der Château-Befestigung ist ebenfalls veraltet; auf der Westfront hat man sie niedergelegt. Die stehengebliebenen Teile auf dem östlichen Ufer sind mit den Vorstadtbefestigungen westlich der Savoureuse: Fort Barres und Denfert-Rochereau, Batterie la Gare zu einem erweiterten Umzuge verbunden worden. Das Château ist zum Teil in den Fels gesprengt.

Eine Schmalspurbahn mit Lokomotivbetrieb verbindet die Werke unter sich und mit der Kernfestung.

Belfort hat eine Luftschiffhalle dicht nördlich der Stadt; eine 2. ist im Bau. Ferner besitzt die Festung einen Flugplatz und auf dem Château eine Funkspruchstation.

Kriegsbesatzung etwa 50000 Mann, darunter 1 Res. Div. als Hauptreserve und wahrscheinlich 5 aktive Batle., der Rest Territorialmannschaften. Geschützausrüstung höchstens 1000 (darunter höchstens 500 Kampf-) Geschütze. In der Festung lagern Teile eines Artillerie-Belagerungstrains."

Quelle: Großer Generalstab 4. Abteilung "Die französischen Befestigungen gegen Deutschland und die Grundzüge ihrer Verteidigung" Nr. 492 Geheim 1913

 

Fort des Haute Perches

Fort des Basse Perches

Fort de Chèvremont

Fort de Vézélois

Fort du Bois d'Oye

Fort Lachaux

Fort du Mont Vaudois

Fort du Salbert

Fort de Giromagny

Fort du Mont Rudolphe

Fort de Roppe