Belgien

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Das Königreich Belgien wurde nach einer wechselreichen geschichtlichen Vergangenheit am 4. Oktober 1830 geschaffen. An diesem Tag erklärte nach vorausgegangenen Aufständen die vorläufige belgische Regierung die Unabhängigkeit des Staates von den Niederlanden. Der Londoner Vertrag von 1839 erkannte das Königreich Belgien als selbstständiger Staat an, verpflichtete ihn jedoch zur ständigen Neutralität.

Der junge belgische Staat begann erst im Jahre 1859 eine Landesbefestigung zu errichten, mit der General Brialmont (1821 – 1903), einer der bedeutendsten Festungsbaumeister und ein namhafter Militärschriftsteller, beauftragt wurde. In den Jahren 1859 bis 1892 schuf er ein Festungssystem, beginnend mit Antwerpen als "Réduit national", daran anschließend Lüttich und Namur. Die belgische Landesbefestigung sollte der nur schwachen belgischen Armee zur Wahrung der Neutralität des Landes einen Rückhalt bieten.

Die Maasbefestigungen sperrten die zwischen Deutschland und Frankreich auf belgischem Gebiet durch das Maas- und Sambre-Tal führenden Strassen und den von ihnen beherrschten Teil der Eisenbahn Köln-Paris. Der belgischen Armee konnten sie als doppelte Brückenköpfe und Stützpunkte für eine Offensive dienen, die sich gegen Flanke oder Rücken einer südlich der Maas belgisches Gebiet durchquerenden Armee richtete.

Antwerpen sollte neben den örtlichen Aufgaben – Schutz des Hafens und der Stadt mit ihren militärischen Einrichtungen, Aufrechthalten der Verbindung mit der See – dazu dienen, das geschlagene oder der Entscheidung ausweichende belgische Heer aufzunehmen.

Der deutsche Angriff im August 1914 zeigte, dass die Festungsbauten nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen entsprachen, vor allem weil ausgebaute Zwischenfeldbefestigungen innerhalb der Fortlinie, ein verteidigungsfähiger Abschluss des Stadtkernes und eine unmittelbare Maasverteidigung fehlten.

Nach dem 1. Weltkrieg bestand zunächst keine Veranlassung für Belgien in seine Landesbefestigung zu investieren, zumal seit 1920 ein militärischer Beistandspakt mit Frankreich existierte. Erst die Räumung des Rheinlandes 1925 durch Frankreich veranlasste Belgien zu einem Entschluss seine Landesbefestigung zu modernisieren. Durch Schaffung von Befestigungsanlagen im Gebiet ostwärts von Lüttich und in der Provinz Luxemburg sollte die belgische Armee in die Lage versetzt werden, auch einen überlegenen Gegner aufzuhalten, bis die französische Hilfe wirksam wurde. Als Auffangstellung sollte die Maas-Linie dienen, und zwar nicht nur durch den Ausbau der Brückenköpfe Lüttich und Namur, sondern auch durch den Bau von Kleinkampfanlagen hinter der Maas von Visé bis nördlich Givet, wo man Anschluss an die französische Maasbefestigung gewann.

Nach dem 1. Weltkrieg, in dem Deutschland die belgische Neutralität missachtete und gemäß Schlieffen-Plan durch Belgien hindurch marschierte, gab es enge Kontakte zwischen Belgien und Frankreich. Bis 1936 war Belgien der Verbündete Frankreichs gewesen. Die damaligen Vereinbarungen sahen eine enge militärische Zusammenarbeit der beiden Staaten und im Kriegsfall die Verstärkung der belgischen Truppen durch französische Streitkräfte vor. Diese Abmachungen wurden nach dem Einmarsch der Deutschen im Rheinland aufgehoben; der Gedanke eines militärischen Zusammenwirkens mit der belgischen Armee wurde aber auf französischer Seite weiter gepflegt. Namentlich hat man es in Frankreich nicht gewagt, die Maginot-Linie auch im Norden des Landes, längs der französisch-belgischen Grenze zwischen Mezieres und Dünkirchen zu verlängern, um bei den Belgiern nicht den Eindruck zu erwecken, man lasse sie im Stich. Ende September 1939 wurden die Besprechungen zwischen Frankreich und Belgien wieder aufgenommen und die Möglichkeiten des Einmarsches französisch-britischer Truppen in belgisches Gebiet erneut erörtert. Für den Fall eines deutschen Angriffs im Norden boten sich für diese Zusammenarbeit grundsätzlich vier Möglichkeiten:

  1. Die französisch-britischen Armeen erwarteten den Angreifer hinter der französischen Grenze und nehmen dort die Überreste der belgischen Truppen auf.

  2. Die französisch-britischen Armeen rückten durch Belgien vor und besetzten die Linie des Albert-Kanals.

  3. Die Alliierten marschierten bis zur Schelde-Linie vor.

  4. Die Alliierten besetzten die Dyle-Linie (nach den Ortschaften Koningshoickt und Wavre auch KW-Linie genannt), die von Antwerpen über Löwen-Namur und der Maas entlang bis Givet führte.

Mitte November 1939 wurde eine Einigung getroffen, die mit dem Bezug der Dyle-Linie durch starke französisch-britische Kräfte eine Mittellösung vorsah. Es wurde jedoch vereinbart, dass der Einmarsch erst auf ausdrückliches Ersuchen der Belgier erfolgen sollte; ebenso lehnten die Belgier die gemeinsame Vorbereitung des Bezugs der KW-Linie aus Neutralitätsgründen ab.

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Letzter Stand: 02.11.2016