Portland

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Der folgende Text stammt aus der Marinedienstvorschrift M.Dv. 502,9: "England - Flottenstützpunkte und Häfen - Portland mit Weymouth" Oberkommando der Kriegsmarine; 3. Abteilung Seekriegsleitung 1940. Es handelt sich dabei um eine Ausarbeitung über die militärischen und wehrwichtigen Anlagen der britischen Heimatküste.

Die Portland-Halbinsel (Dorsetshire), 3 ½ sm lang und an der breitesten Stelle 1 ½ sm breit, ist mit der Küste durch eine schmale, etwa 1 ½ sm lange Landenge, die Chesil Bank, verbunden die 12 bis 14 m über Niedrigwasser erhebt und ungefähr 200 m mittlere Breite aufweist,

Auf der Ostseite der Landenge ist der Hafen von Portland erbaut, auf der Westseite liegt die West Bay. Portland enthält große Sandsteinmassen; zahlreiche ausgedehnte Steinbrüche sind in Betrieb. Der höchste Punkt der keilförmigen Halbinsel, der 149 m hohe Hügel „The Verne“, fällt an der Nordseite steil, nach Süden allmählich ab bis zur Südspitze Bill of Portland.

Nördlich an Portland-Hafen anschließend liegt an der Südseite der Mündung des kleinen Flusses Wey die Stadt Weymouth, gegenüber auf dem Nordufer die Stadt Melcombe Regis. Beide Städte werden gemeinsam mit Weymouth bezeichnet. Weymouth hat sich aus einer kleinen Fischerstadt zu einem ziemlich bedeutenden Handelsplatz und viel besuchtem Badeort von 24.300 Einnwohnern (1939) entwickelt.

 Militärische Bedeutung.

Im Gegensatz zu den Jahren im Anfang des Jahrhunderts wo hier die Heimatflotte stationiert war, ist Portland heute nicht mehr Stützpunkt  von Teilen der Heimatflotte, wird jedoch häufig von dieser angelaufen. Wegen der fehlenden Hilfsmittel und der Gefahr von Torpedo- und Luftangriffen kommt Portland z.Zt. kaum als Operationsbasis für starke Seestreitkräfte in Betracht. Als Stützpunkt für den Handelsschutz, die schwimmende Küstenverteidigung im Kanal und als Einschiffungsplatz für Truppen und Material in geringem Umfange ist jedoch Portland gegenwärtig von Bedeutung.

 Militärische Anlagen

Die Verteidigungsanlagen Portlands gewähren einer in den Hafen eingelaufenen Flotte Schutz gegen überraschende Angriffe. Die stärkste Seite der Verteidigung liegt, mit Rücksicht auf den Schutz des Hafens, im Osten, während die Westseite nur verhältnismäßig schwach verteidigt ist. Ein Angriff würde daher unter günstigen Bedingungen zunächst gegen die Westseite anzusetzen sein. Die Wasserverhältnisse in West Bay gestatten eine solche Annäherung an die Küste, daß ein Beschießen des inneren Hafens über die Landenge hinweg möglich  ist.

Die Küstenverteidigungswerke lassen sich in drei Abschnitte gliedern:

1.) Die Befestigungen auf der Halbinsel Portland

2.) Die Molenbefestigungen

Die Befestigungen auf der Halbinsel Portland

1.) Fort Verne. Lage auf der höchsten Erhebung (148 m) des nördlichen Teiles der Halbinsel. Altes, mit hoher Umfassungsmauer und Wall umgebenes Werk. N- und NO-Seite stößt unmittelbar an den Steilhang, übrige Fronten mit teilweise 30 m breitem Graben umgeben. Die NW-Bastion

drei Stellungen für mittlere Geschütze, möglicherweise Flak. Dahinter Stolleneingang für vermutlich unterirdische Munitionsräume und Kasematten. Die SW-Bastion Stellung für ein mittleres Geschütz (ev. Flak), dahinter Stolleneingang. Die S-Bastion Stellung für ein mittleres Geschütz (evtl. Flak). SO-Bastion Stellung für zwei mittlere Geschütze (evtl. Flak).

Die Stellungen waren zur Zeit der Beobachtung unarmiert, machen aber einen durchaus verwendungsfähigen Eindruck, so daß nötigenfalls in kurzer Zeit mit Aufstellung moderner Geschütze gerechnet werden kann. Im Fort-Inneren ausgedehnte Kasernements und Unterkunftsräume. Ständige Besatzung wahrscheinlich. Die Gesamtanlage entspricht nicht modernen Anforderungen.

2.) Portland Castle:

Lage: nordwestlich des Forts Verne bei der Ortschaft Castleton an der Küste. Bastionierter Steinbau mit drei Geschützetagen. Veraltetes Werk ohne militärischen Wert, Salutbatterie?

Die Batterien A, B und C liegen am Nordostabhang der Portland Halbinsel auf halber Höhe vor dem Steilhang des Port Verne.

Batterie A. Lage: Nordostseite der Halbinsel, zwischen Port und der Wurzel  des Süd-Wellenbrechers. Ältere Erdwerke mit Stellungen zu je drei mittleren (?) Geschützen, unarmiert. In dem nördlichen Werk ist die mittlere, in dem südlichen die Nord-Stellung betoniert und anscheinend allein verwendungsfähig. Hinter den Stellungen gedeckte Unterkunftsräume und Stolleneingänge.

Batterie B. Lage: ca. 150 m südostwärts der Batterie A. Moderne Anlage mit vier mittleren Geschützen, Leitstände an beiden Flügeln der Batterie. Dahinter Unterkunfts- und Batteriegebäude. Je ein Scheinwerfer am Nord- und Südflügel zwischen der Straße und Batterie.

Batteriestellung  in Bau

Lage: ca. 120 m hinter der Batterie B. Augenscheinlich Bauarbeiten zur Anlage einer neuen Batterie mit zwei Geschützstellungen.

Batterie C Lage: ca. 50 m südlich der Batterie B. Die Batterie besteht aus drei mittleren (nördlicher Teil) und  zwei 23,4 cm Geschützen in betonierten Stellungen. Sämtliche Stellungen sind durch Traversen verbunden. Hauptleitstand zwischen leichter und schwerer; weitere Zeit- und Beobachtungsstände innerhalb jeder Batterie. Betonierte Räume innerhalb der Erdschüttung und in den Traversen, Scheinwerfer am Fuße der Erdschüttung vor der Batterie. Komplex von Unterkunfts- und Lagergebäuden hinter dem Werk. Die Anlage ist modern. Hauptschußrichtung der Batterien A bis C Nordost bis Ost.

Batterie D: Lage Südfront des Fort Verne, ca. 140 m südlich der S-Bastion. Altes Nebenwerk des Forts. Stellungen für sechs Geschütze leichten bis mittleren Kalibers, unarmiert. Leitstand zwischen Stellung 3 und 4. An den Flügeln der Batterie je eine einzelne. Stellung, ursprünglich für Kommandostände bestimmt, gegenwärtig anscheinend Flak. Unter der Batterie gedeckte Unterkünfte und Lagerräume, sowie zwei Batteriegebäude.

3.) Batterie Blacknor Point

Lage: Steilhang bei Blacknor Point, der höchsten Erhebung auf der Westseite der Portland-Halbinsel. Modernes Werk mit zwei 23,4 cm Geschützen im Schutzschild auf Betonplattform. Hauptschußrichtung West. Leitstand hinter dem südlichen Geschütz (?). Zahlreiche Batterie-, Unterkunfts- und Lagergebäude hinter den Geschützstellungen. Scheinwerfer vermutlich an den Flügeln oder am Steilhang vor der Batterie.

 

Die Molenbefestigung

4.) Innere Breakwater-Batterie:

Lage: Molenkopf des Inner Breakwater. Die Batterie besteht aus einem etwa 6 m hohen Turm von 8 m Durchmesser, auf dessen Plattform zwei leichte Geschütze mit der Hauptschußrichtung S stehen sollen. Gegenwärtige Armierung fraglich, da die Hafeneinfahrt (South Ship Channel) durch versenktes Schiff gesperrt ist. Gegebenenfalls Flak.

5.) Outer Breakwater Fort

Nordkopf des Outer Breakwater, Fortartiges Panzerwerk mit Panzerturm. Bewaffnung: mittlere Geschütze.  Anzahl nicht bekannt. Scheinwerfer. Das Port dient zum Schutze der östlichen Hafeneinfahrt (Maat Ship Channel). Über Bewaffnung der beiden nördlichen Hafendämme liegen keine Angaben vor, doch kann gegebenenfalls mit leichten Geschützen oder Maschinenwaffen und Scheinwerfern gerechnet werden.

6.) Fort Nothe, Weymouth:

Lage: Südseite der Hafeneinfahrt nach Weymouth. Ältere Anlage mit moderner Armierung. Halbkreisförmiger Kasemattbau mit Innenhof. Drei Stellungen für mittlere Geschütze auf Betonplattformen; die beiden nach ONO gerichteten Stellungen waren zur Zeit der Beobachtung (Aug.39) armiert, die südliche war unbewaffnet. Mit inzwischen erfolgter Aufstellung des dritten Geschützes muß gerechnet werden. Leitstände auf den Flügeln der Kehlseite. Munitionsräume zwischen den Geschützständen, Unterkunftsräume auf der Kehlseite. Scheinwerfer innerhalb des Ports und an der Molenwurzel. Das Port verteidigt die Reede von Weymouth und die nördliche Hafeneinfahrt von Portland.

7.) Batterie bei Osmington

Lage: etwa 3 sm nordostwärts der Hafeneinfahrt von Weymouth auf der NO-Seite der Reede, zwischen Osmington Mills und Ringstead Point, über Bewaffnung keine zuverlässigen Angaben vermutlich zwei mittlere Geschütze zur Verteidigung der Reede von Weymouth.

Quelle: Marinedienstvorschrift M.Dv. 502/9: "England - Flottenstützpunkte und Häfen - Portland mit Weymouth" OKM; 3. Abteilung Seekriegsleitung 1940

Letzter Stand: 06.11.2016