GSVBW

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Bei der hier beschriebenen ehemaligen "Grundnetz-, Schalt- und Vermittlungsstelle der Bundeswehr" handelt es sich um eine von insgesamt 32 verbunkerten militärischen Fernmelde-Dienststellen, die in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts fast baugleich im ganzen Bundesgebiet errichtet wurden. Diese GSVBw waren die Knotenpunkte des so genannten Bundeswehrgrundnetzes und stellten als dessen "Rückgrat" vor allem die Fernmeldeverbindungen im festen Fernmeldenetz der Bundeswehr sicher. Im Verteidigungsfall waren sie gleichzeitig Anschaltpunkte der kämpfenden Truppe.

Der Bau der verbunkerten GSVBw als Bestandteil einer umfassenden Verteidigungsinfrastruktur war von der Bundeswehr schon in ihrer Aufbauphase als notwendig erkannt worden. Die Nato-Strategie ging davon aus, dass im Falle eines Angriffs durch Truppen des Warschauer Pakts die Bundesrepublik Deutschland binnen kürzester Zeit in vier bis fünf Verteidigungsinseln zerschlagen sein würde. Um eine militärische Koordination bzw. Führung der Verteidigung in und zwischen diesen aufgesplitterten Teilgebieten aufrecht zu erhalten, war es daher unerlässlich ein vom stark gefährdeten öffentlichen Fernmeldenetz unabhängiges und sichereres eigenes militärisches Grundnetz anzulegen.

Die Umsetzung der 1958 beschriebenen Forderung im Juni 1961 umgesetzt und zwar zum größten Teil in den Jahren von 1961 bis 1964.

Standortwahl und Bauweise unterlagen folgenden Kriterien:

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Um potentielle Zielräume wie Großstädte und Industriegebiete zu vermeiden, wurden die errichteten GSVBw dezentral in überwiegend bevölkerungsarme Landstriche mit einem Abstand von jeweils 50 bis 80 Kilometer verteilt.

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Zur Aufrechterhaltung der Kommunikationsfähigkeit wurden die technischen Einrichtungen der GSVBw atombombensicher verbunkert.

Der Bunker vermittelt insgesamt schon beeindruckende Gebäudedaten:

  1. Der Bunker hat einen rechteckigen Grundriss mit einer Länge von 49,50 Meter und einer Breite von 29,00 Meter.

  2. Die Betondicke der Außenwände und der Sohlenplatte beträgt durchgehend 3,00 Meter, diejenige der Innenwände variiert zwischen 0,30 Meter und 1,00 Meter.

  3. Die Bunkerdecke ist in Form eines flachen Satteldaches gegossen, um ein Ablaufen des Wassers zu gewährleisten. An den Längsseiten beträgt ihre Betondicke daher ebenfalls 3,00 Meter, am Scheitel aber ca. 3,60 Meter.

  4. Der gewaltige Kubus, dessen Sohlentiefe sich ab Oberkante Gelände auf ca. 9,50 Meter beläuft, ruht auf einem etwa 1,00 Meter tiefen Kiesbett.

  5. Für eine unabhängige Wasserversorgung sorgte ein eigener Brunnen (Leistung: 9 Liter/Sekunde) und ein ständig bereit gehaltenen Wasservorrat von 8.000 Liter

  6. Die künstliche Belüftung übernahm eine Klimaanlage, die stündlich rund 10.000 m3 Luft erneuerte. Für den Ernstfall standen zur Luftreinigung spezielle Sandfilter und ABC-Filter zur Verfügung.

  7. Für den Fall eines Stromausfalls waren große Batteriekapazitäten installiert worden, die für ungefähr acht Stunden die Versorgung des Bunkers hätte übernehmen können. Zum anderen waren ein Stromgenerator mit einem 8-Zylinder Dieselmotor (168 PS) und eine Kühlmaschine eingebaut worden. Ein Kraftstoffvorrat von 27.000 Liter Diesel und 1.000 Liter Öl standen ständig bereit.

  8. Der permanent eingelagerte und regelmäßig erneuerte Verpflegungsvorrat schließlich hätte 27 Tage für 67 Personen gereicht.

Um den militärischen Fernmeldebetrieb auch im Falle eines atomaren Schlagabtausches mehr oder weniger aufrecht erhalten zu können, wurde alles unternommen, um das Bauwerk autark zu machen. Grundvoraussetzung hierfür war eine hermetische, strahlensichere Abriegelung des Eingangsbereichs mittels gasdichten Druckwellensicherungstüren, integrierter Gasschleusenanlage, Dekontaminationsanlage, Notküche, sanitäre Anlagen, Ruheräume u.a.

Charakteristisches Baumerkmal des Bunkers sind die freischwingend (shock mounted) festinstallierten Einrichtungen, um im Ernstfall auch größere Erschütterungen unbeschadet überstehen zu können. Angeblich hätte sich der Bunker – selbst im Falle von Atombombendetonationen in nächster Nähe – in seinem Kiesbett bis zu 50 cm verschieben können, ohne dass dabei seine Funktionsfähigkeit gelitten hätte.

Der Gesamtkomplex war in erster Linie eine militärische Dienststelle, weshalb der Dienststellenleiter für gewöhnlich ein Offizier, den Hauptmannsrang bekleidete. Dazu kamen in der Regel noch insgesamt 4 Feldwebel. Die Zahl der Zivilbediensteten beiderlei Geschlechts war jedoch ungleich höher. Insgesamt beschäftigte man meist an die 30 Personen: 5 im technischen Bereich, 1 im Fahrdienst sowie jeweils 12 als Fernsprecher und als Fernschreiber. Außerdem gab es noch einen Wachdienst mit ca. 5 Mann und 2 Hunden, ferner 2 Angestellte der Deutschen Bundespost, die für die Wartung der Verstärkeranlage verantwortlich waren. Der Dreischichtbetrieb lief an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden lang. Während in Friedenszeiten pro Schicht in der Regel 10 Leute im Bunker arbeiteten, wäre im Ernstfall eine mit Reservisten aufgestockte Besatzung von ca. 67 Mann unter der Erde gewesen.

Übersichtsplan

Der Bunker

Der Bunker

Abluftkamin

Tobruk zur Nahverteidigung

Zugangstreppe

Eingangspanzertür

Raum 56: Dusche

Tür zum Dekontaminierungsraum

Panzertür zum Auskleideraum

Raum 30: Toilette

Raum 10: Fernschreibvermittlung

Raum 10: Fernschreibvermittlung

Raum 03: Verstärkerraum

Raum 03: Verstärkerraum

Oberer Flur

Unterer Flur

Raum 12: Brunnen

Raum 12: Brunnen

Raum 04: Kabelverteilerraum

Raum 04: Die eingehenden Kabel

Raum 24: Belüftungstechnik

Raum 24: Gasfilter

Raum 09: Verwahrgelass im Kryptoraum

Raum 01: Notausstieg

Raum 05: Batterieraum

Raum 36: Werkstatt

Raum 20: Luftkompressor

Raum 20: Notstromdiesel mit Generator

Raum 21: Transformator

Zugang zum Betriebsstofflager

Raum 26: Betriebsstofflager

Raum 26: Betriebsstofflager

Raum 11: Notwasserversorgung

Raum 34: Lagerraum

Letzter Stand: 26.01.2017